Mittwoch, September 21, 2005

Jamaika-Marketing statt Realismus

Nach der Überraschung durch die vor 2 Tagen abgehaltenen Neuwahlen, ist bedauerlicherweise keine der Volksparteien in der glücklichen Lage, eine mehrheitsfähige Wunschkoalition bilden zu können: Weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün reicht es, mit der neuen Linkspartei wollen die "gestandenen" politischen Kräfte partout nicht zusammenarbeiten.
In den Medien macht sich Ratlosigkeit und Katerstimmung breit, hatte man sich doch im Vorfeld der Wahlen mit allen Kräften bemüht, Gerhard Schröder als Kanzler in den Ruhestand zu schreiben. Totgesagte leben bekanntlich länger und so spekuliert die pikierte Journaille über mögliche Bündniskonstellationen ohne Schröder.
Seit Sonntag Abend kursiert das neue Lieblingswort der Presse durch die Medien, die sogenannte Jamaika Koalition, benannt nach den Farben der jamaikanischen Flagge, Schwarz/Grün/Gelb. Hierbei besteht eine zukünftig machbare politische Traumkonstellation - aus Sicht der Presse und des neokonservativen Lagers - aus einem Bündnis zwischen Union, FDP und Grüne - selbstverständlich angeführt durch das Angie. Die neue Dream-Connection soll es retten, Probleme gibt es keine, Realismus - Fehlanzeige.
Über diese unerwartete Marketing- und Promotion-Massnahme, können sich die Bewohner des karibischen Inselstaates nur freuen, das Land hat seinen Besuchern viel zu bieten. Der deutsche Wähler kann - angesichts anliegender Probleme Deutschlands - über die "Medialisierung" ernsthafter politischer Inhalte und deren Reduzierung auf marktschreierische Begriffskreationen nur noch staunen. Man tendiert sich zu fragen: Warum schreien sie nach Jamaika ? Ich kenne keine Medientypen mit Dreadlocks, allerdings welche die kiffen schon, anders wäre das tägliche Kasperletheater wohl auch kaum zu ertragen. Hier wird ihnen bei Bedarf geholfen !